FDP Kreisverband Traunstein - Vereinbarkeit von Beruf und Familie

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  • Diskussionsrunde mit Miriam Gruß und Hermann Steinmaßl

    Vereinbarkeit von Beruf und Familie

    v.l. Elke Schader, Anette Farrenkopf, Miriam Gruß, Sandra Sonntag, Hermann Steinmaßl, Evi Schenkl

    (06.10.2011)

    Auf großes Interesse stieß die Veranstaltung der Kreis-FDP Traunstein zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie in unserer Region“ im Bräustüberl des Hofbräuhauses in Traunstein. Überraschend viele Gäste waren gekommen, um mit der Generalsekretärin der FDP Bayern und familienpolitischen Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Miriam Gruß, zu diskutieren. Als besondere Gäste und als Referenten konnte der Kreisvorsitzende in Traunstein, Eduard Gruber, begrüßen: den Landrat Hermann Steinmaßl (CSU), Anette Farrenkopf, Regionalchefin der  Bundesagentur für Arbeit in den Kreisen Traunstein und Berchtesgadener Land,  Evi Schenkl, Familienbeauftragte des Landkreises Traunstein sowie Elke Schader, Beauftragte der Arbeitsagentur für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.

Die Spannbreite der fast dreistündigen Veranstaltung, die von der stellvertretenden Kreisvorsitzenden Sandra Sonntag umsichtig organisiert und souverän moderiert wurde, reichte von der Betreuungssituation über die Flexibilität am Arbeitsplatz bis hin zur Pflege von Angehörigen. Eines wurde schnell deutlich: Für die  Menschen wird es in allen Lebensbereichen immer wichtiger, Beruf und Familie flexibel vereinbaren zu können. „Es ist deshalb unabdingbar, dass wir den Familien vor allem drei Dinge zur Verfügung stellen: Zeit, Geld und Infrastruktur“, sagte Miriam Gruß. Sowohl die Koalition in Berlin wie auch in Bayern seien da bereits weit vorangeschritten. „Wir haben Familien um mehr als 4 Milliarden Euro entlastet, bauen massiv die Krippenplätze aus, steigern die Flexibilität und Qualität der Betreuung, schaffen mit dem Familienpflegezeitgesetz mehr Freiraum für die häusliche Pflege und geben den Unternehmen Anreize, flexiblere Arbeitsverhältnisse anzubieten.“

Ein gemeinsames Anliegen von FDP und Landrat Steinmaßl war, dass Familien durch externe Betreuungsangebote unterstützt werden sollen. Diese sollen die Familien nicht ersetzen, sondern ergänzende Hilfen anbieten: „Wenn weiterer Bedarf an neuen Krippen- oder Kitaplätzen da ist, bieten wir sie an“, so Steinmaßl.

Neben einer größeren Flexibilisierung und dem quantitativen Ausbau, sei insbesondere die qualitative Verbesserung der Betreuung wichtig. Das Bayerische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz setzt bereits jetzt Standards für die frühkindliche Bildung in Einrichtungen. Zur weiteren Verbesserung, wird das Gesetz derzeit von der schwarz-gelben Koalition evaluiert und reformiert. Über die Frage, ob das letzte Kindergartenjahr kostenfrei sein sollte, waren die Gäste indes unterschiedlicher Meinung. Die große Mehrheit plädierte eher für quantitative Verbesserungen, den Ausbau der Infrastruktur, kleinere Gruppen, eine bessere Bezahlung und eine Reform der Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher. Das zeitliche Angebot wurde kritisch hinterfragt: Oftmals hätten Kitas nur bis 13.30 Uhr geöffnet.

Landrat Steinmaßl betonte darüberhinaus die Wichtigkeit verschiedener familienunterstützender Einrichtungen wie etwa Mehrgenerationenhäusern und Familienzentren. „Zusätzlich wollen wir nun von Berlin aus die haushaltsnahen Dienstleistungen für Familien durch ein Gutscheinmodellsystem fördern“, kündigte die FDP-Generalsekretärin an, um Familien in ihrem Alltagsleben zu entlasten und zu unterstützen.

Anette Farrenkopf von der Bundesagentur betonte, dass verstärkt Frauen Arbeit aufnehmen sollten. „Der Fachkräftemangel wird in Zukunft enorm sein, wir können da auf gut qualifizierten Frauen auch in unserer Region nicht verzichten.“ Im europäischen Vergleich liege Deutschland in dieser Frage ganz weit hinten. Die wenigsten Frauen würden Vollzeit arbeiten, die meisten Teilzeit.

In diesem Zusammenhang wies  Elke Schader als Beauftragte für Chancengleichheit auf ein  charakteristisches Phänomen hin: Zwar seien bei uns 46% der sozialversicherungsspflichtig Beschäftigten Frauen, bei den Vollzeitbeschäfigten seien es aber nur 36,5%. Bei den Teilzeitbeschäftigten sowie bei den geringfügig Entlohnten betrage aber der Frauenanteil 85 bzw. ca. 70%. Die damit verbundenen vielfältigen Probleme unterstrich die Familienbeauftragte des Landkreises Evi Schenkl. Insgesamt ist für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch eine kinderfreundlichere Gesellschaft Grundlage. Miriam Gruß hatte in den Koalitionsverhandlungen im Bund 2009 eingebracht, dass Kinderlärm nicht mehr ein Grund zur Klage sein darf. Dies ist in diesem Jahr endlich umgesetzt und Spielen und Lachen darf nicht mehr mit Industrielärm gleichgesetzt werden. „Kinderlärm ist ab jetzt Zukunftsmusik“, so Gruß.

In der engagierten Diskussion ging es auch um ein in unserer Region spezifisches Problem: viele Gemeinden und Dörfer seien zu klein oder auch finanziell überfordert, um die Hilfsmöglichkeiten  so bedarfsgerecht umzusetzen, dass sie  von den Familien, Frauen und Kindern auch tatsächlich genutzt werden können. Hier gebe es ein großes Gefälle zwischen den Städten und dem eher schwach strukturieren Land, das mit neuen Mitteln verringert werden müsse.

Schließlich gehe es darum, so fasste Sandra Sonntag am Schluss das Ergebnis und die Zielsetzung des Abends zusammen, dass "die Menschen und Familien, die hier leben  wollen und müssen, hier auch künftig gut leben und arbeiten können, daran werden wir weiter arbeiten", so Sandra Sonntag.

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